Kreisdelegiertenkonferenz der DKP München - Wie weiter nach dem 21. Parteitag

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Am 15.01.2016 fand in München die Kreisdelegiertenkonferenz zur Auswertung des 21. Parteitages der DKP statt.

Die DKP München hatte vor dem Parteitag erklärt, dass sie den Weg einer "marxistisch-leninistischen Partei" nicht mitgehen werde. (Kreisdelegiertenkonferenz der DKP München - 25.4.2015) "Was heißt das jetzt, nach dem 21. Parteitag, nach dem sich die DKP als "marxistisch-leninistische Partei" definiert, und der "Marxismus-Leninismus" die "Weltanschauung der Kommunisten" sein soll?" Diese Frage diskutierten die Münchner GenossInnen auf ihrer Konferenz.

Entschieden wandten sich die Münchner KommunistInnen dagegen, dass der Stalinismus nur "vermeintliche Opfer" gefordert habe, wie es in der UZ vom 15.1.2016 heißt.
Im Referat heißt es unter der Überschrift "Stalinismus – Worüber reden wir?"

"Wie diese Schlussfolgerungen heute wieder ignoriert werden, zeigt sich in der heutigen UZ: Auf der Seite 1 werden die Opfer des Stalinismus zu 'vermeintliche Opfer des Stalinismus'. Sinowjew, Kamenew, Bucharin, Rykow, Pjatakow, Radek, die Generäle und Offiziere und die Millionen Ermordeten und in den Straflagern Inhaftierten - laut Angaben des KGB in den 1990er-Jahren wurden zwischen 1930 und 1953 rund 800.000 Menschen wegen 'konterrevolutionärer Verbrechen' zum Tode verurteilt und erschossen - 'vermeintliche' Opfer?
In den Jahren 1937/38 wurden pro Tag 1.000 Menschen erschossen. Von den 1.966 Delegierten des 17. Parteitags der KPdSU (Februar 1934) überlebten 1.108 den Terror nicht, 98 von 139 gewählten ZK-Mitglieder wurden verhaftet, verbannt oder zum Tode verurteilt. Von den 102 Mitgliedern des Ukrainischen ZK überlebten die Verhaftungswelle 1937 nur drei. Vermeintliche Opfer?
Auch die Kampfgefährten von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und KPD-Gründer, Hugo Eberlein und Leo Flieg, sondern wurden in der UdSSR als angebliche Konterrevolutionäre erschossen. Vermeintliche Opfer?
Über Stalinismus zu reden, erfordert daher, zu allererst über Verfolgung, Einkerkerung, Folterung und Ermordung von Kommunisten durch Kommunisten zu reden.
Die Kommunisten haben zu lange zugelassen, dass Stalinismus und Kommunismus in Eins gesetzt wurden. Dabei waren sie niemals identisch, und konnten doch mit einander gleichgesetzt werden, vor allem weil es die Kommunisten zuließen.
Damit muss Schluss sein, wenn der Kommunismus eine Zukunft haben soll!
Wenn wir dem Kommunismus eine Zukunft eröffnen wollen, dann darf heutzutage nicht am Stalinismus und an den von ihm deformierten Diskursen angeknüpft werden. Dessen moralische, theoretische und politische Überwindung ist für die Kommunisten, die es bleiben wollen, eine unverzichtbare Notwendigkeit.
Die Kommunisten sind bei dem Versuch, eine neue Kultur und eine neue, humane Gesellschaft aufzubauen, vom Weg abgekommen. Wenn wir uns also in die Erblinie des Kommunismus einschreiben, dann geht es darum, diesen ursprünglichen Weg der Emanzipation wieder aufzunehmen.
Deshalb haben wir in unserem Programm diesen 'kategorischen Imperativ' des Kommunismus - 'alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist ...' - als Ziel formuliert.
Wer in der UZ heutzutage von 'vermeintlichen Opfern des Stalinismus' schreibt, ist einfach nur dumm, oder hat Böses im Schilde – das Tragische: er wird durch den 21. Parteitag zu solchem unverantwortlichen Unsinn ermuntert."

Nicht zuletzt benennt die DKP München die Schwerpunkte ihrer künftigen Arbeit, angelehnt an die strategische Orientierung des Parteiprogramms.


Wir dokumentieren die Einleitungsreferate des Kreisvorstandes:
Teil I: Die DKP München nach dem 21. Parteitag
Teil II: Tätigkeitsfelder der DKP München

Teil I: Die DKP München nach dem 21. Parteitag
Vortragender: Leo Mayer

"… gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neuen Weltgeschichtsszene aufzuführen."
Dieses Zitat von Karl Marx bezieht sich nicht auf den 21. Parteitag und die DKP!

Aber Ähnlichkeiten sind nicht zufällig, denn wie André Gorz gesagt hat: „Aus der Übermacht der Fragen ohne Antwort erwächst die Sehnsucht nach fundamentalistischen Gewissheiten ohne Fragen.“

Genug der Zitate.

Liebe Genossinnen, liebe Genossen

in allen Grundorganisationen sind Gruppenabende zur Auswertung des 21. Parteitags durchgeführt worden. Weitgehende Übereinstimmung: Es war ein Parteitag mit dem falschen Parteitagsthema. Das zentrale Thema des Parteitags war die Auseinandersetzung, ob sich die DKP als "marxistische-leninistische Partei" definiert und der "Marxismus-Leninismus" die Weltanschauung der Kommunisten ist. Und diese Auseinandersetzung ging am Leben vorbei.

Weiter siehe Anhang