In der DKP nannten wir ihn „Schorsch“, damit war wohl der französische Namen Georges gemeint und nicht so sehr die umgangssprachliche deutsche Fassung für Georg. Er hatte eine besondere Affinität zu allem was mit Frankreich verbunden war, das Land, die FKP, und auch Kultur und Lebensstil.

Georg wurde am 8.7. 29 in Stockach / Baden geboren.

Als Sohn eines Lehrers und einer Hausfrau machte er im Frühjahr 1948 Abitur.

Bereits im Sommer/ Herbst 1945 entstanden Kontakte zu antifaschistischen Linkskreisen in Überlingen, das war für die spätere Entwicklung von Schorsch entscheidend. Der örtliche antifaschistische Ausschuss hatte einen Zirkel gebildet, in dem antifaschistische und kommunistische Politik vermittelt wurde.

Nach dem Abitur begann die journalistische Ausbildung in der kommunistischen Tageszeitung „Unser Tag“. 1949 wurde er zu einem 3 Monats Lehrgang zu einer Parteischule delegiert dem folgte 1950 ein Jahreslehrgang an der Karl Marx Hochschule. Dort lernte er seine spätere Frau Renate kennen.

Dann begann seine Tätigkeit im Zentralbüro der FDJ Westdeutschland als Redakteur im Zentralorgan “Junges Deutschland“. Am 26. Juni wurde die FDJ per Entscheid des Bundesinnenministeriums verboten. Es musste illegal weitergearbeitet werden.

Ein Höhepunkt der illegalen Arbeit war die „Jugendkarawane gegen Wiederaufrüstung und Generalvertrag“ am 11 Mai 1952 in Essen bei der Philipp Müller ein aktives Mitglied der FDJ und KPD aus München von der Polizei ermordet wurde. 30000 vorwiegend junge Menschen aus unterschiedlichen linken Zusammenhängen waren trotz Verbots dabei. In der Zeit entwickelte sich die Zusammenarbeit mit Gerd Deumlich und Willi Gerns die bis 1989 im Präsidium der DKP bestehen blieb.

Angesichts des drohenden Verbots der KPD orientierte die KPD-Führung die Jugendtätigkeit auf legale Möglichkeiten in verschiedenen Jugendzusammenhängen. Diese legale Massenarbeit junger Kommunistinnen und Kommunisten war erfolgreich.

Georg arbeitete von 1956- 1960 im WBDJ (Weltbund der demokratischen Jugend) in Budapest, der erfolgreich auch die Weltfestspiele der Jugend und Studenten organisierte. Er war auch Redakteur bei der Zeitschrift „Weltjugend“. Sein Aufgabengebiet blieb die BRD, so begleite er1956 eine japanische Delegation, die in der BRD Gespräche mit vielen Jugendorganisationen über die Gefahren von nuklearen Kriegen führte.

Das Credo jener Zeit war: Legal so viel wie möglich – illegal so viel wie nötig!

Ende 1960 ging es zurück in die BRD nach Mannheim. Georg wurde Mitglied der zentralen Jugendkommission der KPD und arbeitete beim Jugendinformationsdienst “Das junge Wort“, in dem Beschlüsse und Dokumente von Jugendorganisationen veröffentlicht wurden. Parallel dazu schrieb er auch Artikel für das Jugendmagazin „Elan“. 1967 begann Georg seine Tätigkeit bei der „Bonner Korrespondenz“, die viele Informationen zur Politik der sozialistischen Staaten und der KPD an Regierung und Bundestagsabgeordnete vermittelte.

Georg war bis zu seinem Tod der letzte der kleinen Gruppe um Kurt Bachmann, die im Sommer 1968 die Neukonstituierung der DKP vorbereitete und am 25/26.September vollzog. Er wurde Pressesprecher der DKP, 1972 wurde er Chefredakteur der UZ-Wochenzeitung und Mitglied des Präsidiums des Parteivorstandes der DKP. Ab Herbst 1973 wurde die UZ Tageszeitung, sie hatte eine Auflage von 60.000 Exemplaren. Er war Chefredakteur bis 1988, trat dann zurück um jungen Kräften Platz zu machen, Conrad Schuhler wurde sein Nachfolger. Georg arbeitete bis 1990 im Bonner Büro der DKP.

Nach 1990 unterstütze Georg die anspruchsvolle Tätigkeit der neuen Führung der DKP bei den vielen Zwischenschritten zur Erarbeitung des neuen Programms und Statuts. Das Programm der DKP wurde 2006 von knapp 80% der Delegierten verabschiedet. Die DKP war mitgliedermäßig stark geschwächt, aber sie existierte und wirkte als revolutionäre Kraft in der jetzt größeren BRD.

Georg war in seiner Grundorganisation in Wuppertal aktiv, wirkte aber auch im Kreis, in der Bezirksorganisation Rheinland- Westfalen und im Rahmen der Gesamtpartei konstruktiv mit.

Zu komplexen Problemen erarbeitete er fundierte Beiträge, half bei der Entwicklung von Kontakten zur Französischen Kommunistischen Partei, leistete wichtige Diskussionsbeiträge auch zu schwierigen Problemen wie der notwendigen Auseinandersetzung zur Rolle Stalins in der kommunistischen Bewegung. Sein profundes Wissen und seine argumentative Art halfen auch zur Gewinnung neuer Erkenntnisse. Er schöpfte aus seinen Erfahrungen eines Lebens als Revolutionär unter schwierigen Bedingungen und er war jederzeit hilfsbereit für die Führung der DKP nach 1990.

Er war aktiver Teil des Netzwerkes kommunistische Politik auch durch zahlreiche Ausarbeitungen und die aktive Teilnahme bei Treffen so lange es die Gesundheit zuließ.

Am 19.2.25 besuchten Klaus Weißmann und Heinz Stehr zusammen mit dem Filmemacher Georg und Renate in ihrer Wuppertaler Wohnung. Ziel war es ein filmisches Dokument zu seinem Leben zu schaffen. Diese Aufgabe bleibt und sollte umgesetzt werden. Da ist so viel gelebte Geschichte drin – von einem so wunderbaren Genossen erzählt!

Er muss in unserem kollektiven Gedächtnis bleiben, auch weil aus seinem Leben Kraft für neues entsteht und das brauchen wir jetzt!

Unser Beileid und unsere Solidarität gehören jetzt Anne, Uwe und Gerd.

Isa Paape, Thomas Hagenhofer, Detlef Fricke, Volker Metzroth, Axel Seiderer, Uwe Fritsch, Werner

Hensel, Norbert Heckl, Heinz Stehr (Koordinator:innen des Netzwerkes Kommunistische Politik)


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