Literatur und Kunst

Wir erhalten immer wieder von unseren Lesern Buchrezensionen, Kulturtipps usw. Bisher haben wir uns nicht getraut, eine Rubrik für diese Beiträge einzurichten, zu unsicher war uns, ob wir dafür Artikel in ausreichender Menge und Qualität bekommen können.

Nun starten wir den Versuch und werden regelmäßig Satire unter den Unterrubliken "Einheiztexte" und "Neues aus dem Politbüro" veröffentlichen. Herzlichen Dank an Werner Lutz für seine Unterstützung!

einheiztext: Änderung des Asylrechts

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Sehr geehrter Flüchtling,

das Bundesinnenministerium macht darauf aufmerksam, dass vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit Afghanistan das deutsche Asylrecht kurzfristig geändert wurde.

So dürfen ab sofort in Deutschland nur noch Flüchtlinge aus anderen Ländern einreisen, die sogenannte Ortsvorsteher sind und den entsprechenden Nachweis mit sich führen. Wie Sie die Qualifikation eines Ortsvorstehers erhalten, wird nachstehend erläutert:

  1. Als Ortsvorsteher müssen Sie die deutsche Sprache und die deutsche Schrift beherrschen sowie die Deutschlandhymne in C-Dur fehlerfrei vorsingen können – in Bayern zusätzlich die Bayerische Nationalhymne. Außerdem müssen Sie darin geschult sein, wie man einen deutschen Stempel benutzt sowie ein Amtssiegel.
  2. Ein weiteres entscheidendes Kriterium für einen Ortsvorsteher ist die Qualifikation für die Tätigkeit in seinem Amt. Dazu gehört als Erstes die Aufsetzung eines Verwaltungsbescheides mit mindestens sechzehn Paragraphen und einer Rechtsbehelfsbelehrung auf fünf Seiten DIN A 4.
  3. Zum würdigen Auftreten eines Ortsvorstehers, der ja eine deutsche Amtsperson verkörpert, gehören ein grauer Anzug sowie eine Krawatte in den Amtsfarben dunkelgrau, hellgrau, Mausgrau oder Elefantengrau. Außerdem je nach Landestracht auch Ärmelschoner.
  4. Der Ortsvorsteher hat eine Verwaltungsprüfung abzulegen, die Kenntnisse im Umgang mit dem Bürger erfordern. Der Bürger oder Antragsteller hat in der Amtsstube immer vor dem Kreidestrich am Boden stehen zu bleiben und auf weitere Instruktionen zu warten. Wenn der Bürger aufmüpfig wird, muss sich der Ortsvorsteher mit einem Stock Respekt verschaffen.
  5. Das wichtigste Instrument für den qualifizierten Ortsvorsteher (früher Flüchtling) ist der deutsche Paragraf.

Das Bundesinnenministerium.

einheiztext: Ausschreibung zur Abwehr von Flüchtlingen

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Sehr geehrte Kriegsflotten-Besitzer

Auch im nächsten Jahr ist es für die EU wichtig, die europäischen Ufer vor dem heranschwimmenden Feind (Flüchtling) zu schützen. Ausgehend von den Erfahrungen der letzten Jahre hat es sich bewährt, dass der Direktangriff auf die feindlichen Kampfflotten, die als Schlauchboote getarnt sind, am erfolgreichsten ist.

Entscheidend ist allerdings, dass diese Vorgänge möglichst ungestört stattfinden, also am besten nachts, und auch weitab von den Stränden, damit der Tourismus nicht leidet. Ein versinkendes Schlauchboot mit schreienden Flüchtlingen könnte bei einem touristischen Kind am Strand durchaus Ängste hervorrufen – bei Erwachsenen eher weniger.

Darüber hinaus ist es bei künftigen Einsätzen notwendig, auch die Interessen der Klimaschützer zu berücksichtigen. Das Meer kann zwar durchaus mit organischem Müll, also mit Essensresten oder Leichen gefüllt werden, aber nicht mit Kunststoff oder Gummi. Die versinkenden Schlauchboote sollten daher vor dem Absinken auf den Meeresgrund herausgefischt werden.

Vor dem Hintergrund der neuen Flüchtlingswelle bitten wir darüber hinaus um konkrete Zielmargen, wie viele Flüchtlingsboote vernichtet werden können. Für das laufende Jahr ist, wie Sie wissen, noch die libysche Küstenwache dafür zuständig.

Bewerbungen für das nächste Jahr bitten wir zu richten an:

Die Europäische Union Brüssel, Frau von der Leyen.

Einheiztextdienst: Namibia: Anerkennung des Völkermords

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Namibia: Anerkennung des Völkermords

Sehr geehrte Namibianer,

im Auftrag des deutschen Tourismusverbandes teilen wir Ihnen mit, dass der von Deutschland anerkannte Völkermord vor über 100 Jahren kein Grund sein soll, dass Namibia nicht als lukratives Reiseziel für Deutsche ausgebaut werden kann.

Im Gegenteil: Wie Ihnen sicher bekannt ist, haben sich die deutschen Regierungen immer wieder schwer getan, einen Völkermord an den Hereros zuzugeben, weil Ihr Land ja nur eine Wüste und eine Kolonie war, zu dem in der damaligen Zeit genau genommen kein Volk gehörte, sondern nur Sklaven.

Wir teilen Ihnen dies deswegen mit, weil wir unser jetziges Freundschaftsgeschenk von 1,1 Milliarden Euro in den nächsten dreißig Jahren durchaus großzügig finden. Immerhin hätte die deutsche Regierung ja einfach sagen können, dass Ansprüche auf Völkermord in dem Bürgerlichen Gesetzbuch überhaupt nicht vorkommen.

Aber nein, wir sind nicht nur bereit, einen gewissen Obolus für 65000 Hereros oder Namas zu zahlen, die sonst in der Wüste verhungern würden, sondern wir wollen ein attraktives Urlaubsland aus Ihrer Region machen, wo die Einheimischen sichere Arbeitsstellen als Putzfrauen, Kellner oder Autowäscher haben.

Schließlich wollen wir ja alle, dass es Ihnen bald besser geht und Sie einen gewissen Lebensstandard erlangen, und das geht, wie wir in Deutschland erfahren, immer am besten mit dem Tourismus. Falls Sie selbst einmal Tourist werden, können Sie das spüren.

Insofern setzen wir Sie heute in Kenntnis darüber, dass wir Ihr Land touristisch ausbauen, schöne Hotels hinstellen, tolle Strände und Pools sowie eine Saunalandschaft ohne Strom, so wie Sie es noch nie gehabt haben.

Unsere Investition in Hotels mit touristischen Attraktionen inklusive Beratung und Management ziehen wir Ihnen natürlich von den 1,1 Milliarden Euro ab, und dann bleiben am Schluss noch 600 Millionen Euro, die Sie in den nächsten dreißig Jahren an uns zahlen müssen. Wir freuen uns sehr, wenn Sie damit einverstanden sind, das wäre ein großer Schritt zur Völkerverständigung. Und als weiteres Bundesland Deutschlands könnten wir Sie in ferner Zukunft vielleicht auch irgendwann aufnehmen.

Der Deutsche Tourismusverband im Auftrag des Außenministers der Bundesregierung Deutschland.

George Bloom

Parteiausschluss wegen unachtsamer Korruption

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Sehr geehrter Herr Alois Hopfenbauer,

hiermit teile ich Ihnen im Namen der Schiedskommission der CSU Oberbayern mit, dass gegen Sie ein Parteiordnungsverfahren eingeleitet wird. Wie Sie wissen, waren wir beide immer per „du“ und ich hab’ Loisl zu Dir gesagt, aber diese Zeit ist mit sofortiger Wirkung zu Ende, weil ich mit Ihnen ganz gewiss keine Maß Bier mehr trinke auf dem Gäubodenfest!

Der Grund dafür ist, dass Sie schändlich unsere Partei verraten haben, weil Sie fortgesetzt gegen unseren Ehrenkodex verstoßen und seit Ihrem Parteieintritt kein einziges Mal eine Korruption in Anspruch genommen haben, wie es sich bei uns anstandshalber gehört.

Und dies, obwohl Sie sogar eine hohe Parteifunktion im Kreis unserer CSU haben, nämlich die des Schriftführers.

Wer Mitglied unserer Partei ist, hat sich gefälligst an die Regeln zu halten und alles dafür zu tun, dass unsere Marktwirtschaft brummt. Und dazu gehört insbesondere, dass Funktionäre unserer Partei alles Machbare tun, um den Firmen im Kreis ordentliche Aufträge über ihre Verbindungen zur Politik zu verschaffen.

Dies haben Sie, obgleich Sie beruflich im Baureferat als gehobener Verwaltungsbeamter sitzen, nicht getan.

Immer wieder hat der Gottfried Siebenschneider mit dem größten Baugeschäft in der Region, sowie der Hans-Georg Maler darauf gewartet, dass ihnen ein guter Auftrag zuteilwird von Ihrem Schreibtisch. Dass Sie Ihre Pflicht nicht erfüllten und auch die zehntausend Euro, die wo plötzlich auf ihrem Konto waren, an die Kirche überwiesen haben, ist ein unverzeihlicher Verrat an der Sache! Denn Sie haben genau gewusst, dass die Überweisung vom Siebenschneider ist wegen dem geplanten Neubau des Gemeindehauses. Und der Malwieser hat Ihnen hernach eine dreiwöchige Auslandsreise nach den Malediven in den Briefkasten geworfen, die wo schon gebucht war, aber Sie haben seine Parteiehre sehr verletzt, indem Sie es nicht angenommen, sondern weggeworfen haben!

Dies, Herr Hopfenbauer, sind nur zwei unverzeihliche Beispiele von sechzehn, die wir registriert haben, wo Sie gegen unseren Ehrenkodex verstießen.

Wir teilen Ihnen daher abschließend mit, dass unser Parteiordnungsverfahren gegen Sie mit einem Ausschluss aus der CSU endet, weil Sie gegen unsere Moral und die Grundsätze unserer Partei verstoßen haben, denn die Korruption ist eine Frage der Ehre bei uns! Ihr Parteibuch können Sie auch gleich selbst abgeben und den weiß-blauen Wimpel. Damit kommen Sie einem öffentlichen Bericht der Zeitung zuvor und ersparen sich selbst eine große Schande, weil der Wähler Sie in dem Vertrauen gewählt hat, dass Sie in seinem Interesse eine ordentliche Korruption pflegen.

Hochachtungsvoll Fritz Schleinkofer, CSU-Kreisschiedskommission Walding

Anonyme Geldabgabe für Korruptionssüchtige

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Sehr geehrte korrupte Politiker,

mit großer Sorge nehmen wir in der letzten Zeit wahr, dass die Korruptionssucht bei Bayerischen CSU-Politikern sprunghaft gestiegen ist. Die Corona-Pandemie hat leider vielen, die den Absprung von der Gier nach Bestechungsgeldern bereits geschafft hatten, wieder süchtig gemacht und auf die schiefe Bahn gebracht.

Die kürzlich bekannt gewordenen Fälle stellen nur die Spitze des Eisbergs dar. Wir rechnen mit einer Dunkelziffer von etwa 12 Prozent an Abgeordneten, die der Versuchung von Bestechungsgeldern nicht widerstehen konnten.

Die Ansteckungsgefahr ist inzwischen ebenso hoch wie bei der Pandemie. In diesem Zusammenhang bitten wir Sie inständig: lassen Sie sich auf keine Masken-, Impfstoff- oder Sarg-Deals ein! Sie haben sonst plötzlich ein dickes, mit Geldscheinen gefülltes Kuvert in der Tasche, von dem Sie gar nicht mehr wissen, wer es Ihnen zugesteckt hat.

Unsere Beratungsstelle steht Ihnen rund um die Uhr zur Verfügung. Damit Sie Ihre Last sofort und anonym ablegen könne, haben wir nun anonyme Bestechungsgeld-Rückgabestellen eingerichtet, bei denen Sie die Geldscheinbündel einfach einwerfen können. Diese befinden sich im Vorraum von Bankfilialen, anderen Spielcasinos und Kirchen.

Wenn Sie das Korruptionsgeld eingeworfen haben, empfehlen wir Ihnen zu Ihrer Entlastung umgehend eine Beichte beim nächsten Pfarrer. Sie können danach wieder beruhigt schlafen.

Alle anderen Korruptionsgeschäfte, die Sie als Politiker durchführen, sind übrigens nicht davon betroffen. Sie brauchen deshalb auch kein schlechtes Gewissen zu haben.

Dr. Anne Schleimkofer

Anonyme Beratungsstelle für Korruption


Mietendeckel

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden: Der Berliner Mietendeckel verstößt gegen das unumstößliche Recht auf Vermehrung von Privateigentum. - Das Grundrecht auf Wohnen dagegen verstößt nur gegen das Recht auf Leben.

Mit Querdenkern zum Sozialismus?

Neues aus dem Politbüro

Mit Querdenkern zum Sozialismus?

In manch revolutionären Hirnen regt sich bei jedem neuen Straßenprotest ein reflexartiger Wunsch auf Erlösung. Genauer gesagt ist es die schier zwanghafte Vorstellung, jede neue Bewegung wäre per se ein Fortschritt und müsse nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Jetzt hat das mit dem „In die richtigen Bahnen lenken“ in der Vergangenheit z. B. vor 1933 gerade in Deutschland nicht so richtig geklappt, aber so ein Revoluzzer bleibt ja optimistisch-ignorant.

Da kann es also auch nicht ausbleiben, dass die gedankenlose Querdenker-Bewegung bei manchem die feuchten Träume nach einer Volksfront beflügelt. Schließlich haben sich die ja schon die richtigen Gegner ausgesucht – Merkel, Gates, die Pharmaindustrie und Maskenträger. Die kleinbürgerlichen Ausfälle gegen China wird man denen schon noch austreiben können. Und so warnt man denn auch davor, sich bloß nicht den breiten Protesten linker Gruppen gegen diesen braundurchtränkten Haufen anzuschließen. Da würde man sich ja vor Merkels Karren spannen lassen. Und überhaupt sind die staatstragenden Parteien ja viel schlimmer – und die LINKE auch nicht mehr weit von denen entfernt.

Man darf also gespannt sein, wie sich diese Volksfrontbildung in der Praxis abspielen wird. Ein paar Vorschläge: Gemeinsames Singen von neuen revolutionären Liedern wie „Ein bisschen SARS muss sein! “ oder ein gemeinsamer Sturm auf den Reichstag unter der Losung „Frieden, Freiheit, keine Diktatur“? Vielleicht auch das kollektive Herunterreißen von Masken unter der Losung „Gesicht zeigen – Vorwärts zum Sozialismus“? Es wird sofort klar, welch großes Potential hinter dieser Idee steckt. Da muss man sich dann auch nicht mehr mit den sozialpartnerschaftlich versifften Gewerkschaftern rumärgern, die sowieso nur die Rettung ihres Betriebes im Sinn haben – was für Kleingeister. Wo es doch in der Krise darum geht, den großen Sprung nach vorn zu wagen. Also: Auf zur Revolution mit dem Marxismus-Wirrologismus. Vorwärts mit der neuen Internationale aus antisemitischen Verschwörungstheorien und ideologisch zurückgebliebenen revolutionären Trachtenvereinen der 20er Jahre. Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist (Victor Hugo).

Twinko Berghaus

Bittbrief zur Munitionsabgabe

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Liebe Kameraden,

aus völlig unerklärlichen Gründen sind in der letzten Zeit einige zehntausend Schuss Munition beim KSK verschwunden. Noch ist übrigens nicht sicher, ob diese nicht freiwillig davon gelaufen ist und das Gelände widerrechtlich verlassen hat.

Solltet Ihr ganz zufälligerweise – und natürlich nur versehentlich - Munition von Einsätzen privat mitgenommen haben, wären wir Euch außerordentlich dankbar, wenn Ihr diese - schön verpackt und selbstverständlich anonym - in die große Holzkiste beim Eingang schlichtet, wo auch die Besen und Putzeimer stehen.

Wir bitten Euch inständig schon jetzt um Verzeihung, wir wollen Euch keinesfalls zu Unrecht verdächtigen mit unserer Bitte. Und wir sind absolut sicher, dass ein vorsätzliches Entwenden von Munition in unserer tollen Einheit garantiert nicht passiert! Es kann sich allenfalls um ein Versehen handeln.

Falls Ihr übrigens tatsächlich Munition habt, diese aber nicht abgeben, sondern lieber für den Eigengebrauch verwenden wollt, wäre dies selbstverständlich auch in Ordnung. Aber bitte schießt nicht auf Tiere, die sind unschuldig. Falls Ihr damit auf Menschen schießt, bitten wir Euch nach Abgabe der Schüsse nachzuschauen, ob sie auch tot sind, damit sie nicht leiden müssen.

Aber auch das kann völlig anonym passieren, Ihr braucht uns wirklich nicht zu informieren.

Und denkt bei allem was Ihr tut an die Ehre unserer Einheit!

Euer Kommandant, der Uwe vom KSK

Import-Export

Die libysche Küstenwache hat im Rahmen der EU-Marinemission im letzten Jahr 9541 Migranten auf dem Meer abgefangen und zurück nach Libyen gebracht.

Wegen dieses großen Erfolgs bietet die Küstenwache nun an, auch in Europa bereits aufgenommene Flüchtlinge abzuholen und ebenfalls nach Libyen ins Lager zu bringen. – Es wird garantiert, dass keiner lebend wieder kommt.

 

Werner Lutz