
Ein Abschied von einem Genossen/Nachruf für Rolf Becker
von Heinz Stehr
Wenn das Unabwendbare eintritt, bleibt zunächst Trauer und Schmerz.
Später kommen Erinnerungen und eine tief empfundene Dankbarkeit, ihn so lange gekannt zu haben und oft Begegnungen bei Demonstrationen, Kundgebungen, Festen, Veranstaltungen aller Art ihn und mit ihm erlebt zu haben.
Rolf war für mich ein Genosse, ein Kommunist, ein profunder Kenner der wissenschaftlichen Weltanschauung von Marx, Engels, Lenin und anderer marxistischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Erstmalig lernte ich ihn anlässlich seiner Beerdigungsrede für Clemens Kraienhorst , legendärer DKP – Ratsherr aus Bottrop, kennen. Später trafen wir uns beim DKP-Parteienabend während eines IG-Medienkongresses, für den er großzügig die Kosten übernahm. Er diskutierte mit uns, wie Gewerkschaften ihre politischen Aufgaben effektiver wahrnehmen können.
Er war unser Gast auf allen UZ-Pressefesten, zu denen er kommen konnte. Er sprach dort auf Kundgebungen, in Diskussionsrunden und an manchem Stand bei einem guten Getränk.
In Elmshorn kam er gerne zum Wasserturmfest, zu unseren antifaschistischen Stadtrundgängen zur Erinnerung an die Selbstbefreiung Elmshorns vom Faschismus durch einen antifaschistischen Ausschuss, zu Kundgebungen für Demokratie und gegen Naziprovokationen. Nie werde ich vergessen, wie einige MitstreiterInnen besonders nach einer Kundgebung für Demokratie daran zu knabbern hatten, dass er Marx und Engels auch in dieser Frage zitierte.
Im Rahmen der Masch Wedel trat er u.a. mit seinem Programm zur Geschichte des Geldes auf, ein für mich bleibendes besonderes Erlebnis.
Er war auch Redner auf einer Kundgebung des DGB zum 1. Mai.
Wir trafen uns bei Aktionen zu Betriebsbesetzungen in Hamburg oder bei Ostermärschen dort. Die Gelegenheiten nutzten wir für manchen Meinungsaustausch.
Rolf litt unter den Folgen der Niederlage des Sozialismus in Europa. Das führte bei ihm zu verstärktem Kampf für unsere gerechte Sache. Er war maßgeblich an den Aktionen zur Solidarität mit Griechenland gegen die EU Repressionen beteiligt. So oft es ging, reiste er nach Griechenland, um persönlich Solidarität zu zeigen.
Gleiches galt für Kuba, er rezitierte die Verteidigungsrede von Fidel nach der Moncada – Aktion in einer aufrüttelnden Art, die keinen Zuhörenden unbeeindruckt ließ. Natürlich haben wir ihn als Schauspieler bewundert, aber er war auch unser politisches Vorbild und unser Genosse!
Oft fragten wir uns, woher er diese Kraft nahm, bei allen Anfragen, wenn es irgend ging zuzusagen. Es war seine politische Überzeugung und sein Wissen, dass er etwas bewegen konnte. Das machte ihn gerade in dieser Zeit so unentbehrlich. Gerade der aktuelle wahrnehmbare Aufschwung einer sich revolutionär verstehenden Jugend hat ihm wie uns Kraft gegeben. Seinen Freund und Genossen Franz Josef Degenhardt hat er vor kurzem noch mit dessen Sohn Kai in Veranstaltungen geehrt, auch das bleibt unvergessen, wie so vieles von ihm!
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