
Zwischenbilanz der Auseinandersetzung um die Kündigung der Betriebsrätin Isa Paape – Die Betriebsratswahlen bei Siemens Energy in Erlangen
Anfang März 2026 fanden die Betriebsratswahlen bei Siemens Energy in Erlangen statt. Sie haben der Auseinandersetzung um die vom Siemens-Management außerordentlich, sprich fristlos, gekündigte Betriebsrätin Isa Paape eine neue Dynamik verliehen. Zur Erinnerung: Am 12. November 2025 erhält die engagierte Gewerkschafterin nach zehnjähriger Betriebsratszugehörigkeit völlig überraschend die Kündigung. Vorangegangen waren Versuche der Geschäftsleitung, ihre Betriebsratstätigkeit zu beeinträchtigen, zudem wurde sie abgemahnt. Siemens legt lange Zeit keine Kündigungsgründe dar, die betriebsverfassungsrechtlich vorgeschriebene Anhörung der Gekündigten durch den Betriebsrat findet nicht statt. Ab dem Tag der Kündigung erhält Isa Paape kein Entgelt mehr und ist auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Sie erhält Hausverbot. Ihr Betriebsratswahlkampf wird massiv behindert. Die vom Arbeitsgericht vorgeschlagene Beschleunigung des Verfahrens lehnt Siemens ab. Der Gütetermin am 5. Februar 2026 vor dem Arbeitsgericht platzt, Siemens spielt auf Zeit. Die mittlerweile vorgelegten Kündigungsgründe sind nicht nur nach Meinung ihrer Anwältin völlig haltlos.
Immer offensichtlicher wird: Der Konzern wendet die klassischen Methoden des Zermürbens, des Fertigmachens, gegen die Betriebsrätin an. Spurlos bleiben solche Versuche bei niemandem. Vom Betriebsrats-Bashing Betroffene berichten über Schlafstörungen, Depressionen bis hin zu Suchterkrankungen. Doch Isa Paape läßt sich nicht einschüchtern und stellt von Beginn der Auseinandersetzung Öffentlichkeit über das Vorgehen des Siemens-Managements her. Die lokale Presse berichtet, ein breit zusammengesetzter Solikreis bildet sich. Die online-Petition gegen ihre Kündigung haben mittlerweile 1.400 Menschen unterzeichnet, Günter Wallraff erklärt sich solidarisch. Ergebnis: Dem Konzern gelingt es nicht, sie betrieblich zu isolieren. Die Betriebsratswahlen zeigen: Isa Paape als Spitzenkandidatin der Liste „GemeinsamAktiv“ gewinnt zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen einen Sitz dazu . Statt zwei gehören jetzt drei Vertreter ihrer Liste dem Gremium an, sie konnten ihren Stimmenanteil um etwa 30 Prozent steigern. Auch die Liste „Wir sind Energy“ der IGM kann ihr Ergebnis deutlich verbessern und verfügt jetzt über 12 BR-Mandate. Regelrecht abgestürzt hingegen ist die so genannte „Freie Liste“ des BR-Vorsitzenden. Dennoch: Mit nunmehr 18 Mandaten besitzt dessen Liste immer noch eine wenn auch knappe Mehrheit im neugewählten Betriebsrat. Die Zugewinne der beiden gewerkschaftlich orientierten Listen sind zwar erfreulich. Entschieden ist die Auseinandersetzung um die Kündigung von Isa Paape jedoch nicht. Das Hausverbot besteht weiter. D.h., die couragierte Betriebsrätin ist bis zum Gerichtsentscheid an der Ausübung ihres Mandates gehindert.
In einer persönlichen Erklärung kurz nach Bekanntgabe des BR-Wahlergebnisses äußert sie sich:„Die Beschäftigten bei Siemens Energy in Erlangen haben mir und meinem Listen-Team mit der Wahl einen Auftrag erteilt. Ich werde an meinen Arbeitsplatz zurückkehren, und ich will meine Tätigkeit als Betriebsrätin wieder aufnehmen.“
Wie geht es jetzt weiter? Die Verhandlung der Kündigungsschutzklage findet am 16. April 2026 um 09:30 Uhr im Arbeitsgericht Nürnberg, Roonstraße 20, Sitzungssaal 315 statt. Die Sitzung ist öffentlich. Der Besuch der Verhandlung ist eine weitere gute Möglichkeit, dem Siemens-Clan, der die Öffentlichkeit scheut wie der Teufel das Weihwasser, zu zeigen, dass Isa Paape nicht alleine steht.
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