
Wir trauern um unseren Genossen, Kollegen und Mitstreiter Bernd Wagner, der nach schwerer Krankheit verstorben ist.
Mit ihm verlieren der Freiburger DGB, die Gewerkschaften der Region, die Freiburger Friedensbewegung, die Mieterbewegung, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und die DKP einen Menschen, der über Jahrzehnte hinweg unermüdlich für soziale Gerechtigkeit, Frieden und ein solidarisches Miteinander gestritten hat.
Nach einer Lehre als Maschinenschlosser und dem anschließenden Studium an der Technischen Universität Gießen fand Bernd Wagner seinen Weg in die Bewegung gegen den Vietnamkrieg und in die Auseinandersetzung mit der nicht aufgearbeiteten faschistischen Vergangenheit Deutschlands. Er wurde Mitglied im Marxistischen Studentenbund Spartakus und trat 1971 der DKP bei. Wie viele Linke seiner Generation geriet er dadurch ins Visier des Verfassungsschutzes – mit der Folge, dass ihm eine wissenschaftliche Laufbahn an der Universität Marburg verwehrt blieb.
Über das bayerische Pasing kam er mit seiner jungen Familie nach Denzlingen und begann bei der Firma Gödecke in der Forschung zu arbeiten. Als Wissenschaftler trat er selbstverständlich der IG Chemie-Papier-Keramik bei und engagierte sich auch im Betrieb. Als Betriebsrat und Gewerkschafter wurde er schnell zu einem anerkannten Kollegen, der die Interessen seiner Kolleginnen und Kollegen mit klugen Argumenten vertrat – bis Teile der Geschäftsleitung und leider auch des Betriebsrats dafür sorgten, dass er durch eine längere Entsendung in die USA nicht ein drittes Mal in den Betriebsrat gewählt werden konnte. Auch diesen Rückschlag steckte Bernd Wagner weg und machte weiter.
Er wurde zu einer prägenden Figur im DGB Freiburg, wo er als Stadtverbandsvorsitzender und bis zuletzt als Vorstandsmitglied des Stadtverbandes mitarbeitete. Selbst mit seiner schweren Krankheit nahm er noch an Sitzungen, Aktionen und der diesjährigen 1.-Mai-Kundgebung im Stühlinger teil.
Sein Wirken war geprägt von großer Geduld und der Offenheit, auch auf Menschen mit ganz anderen Ansichten zuzugehen. Diese Fähigkeit war ein wichtiger Baustein der Bewegung gegen den Verkauf der Freiburger Stadtbau vor 20 Jahren: 2006 gehörte er zu den Mitbegründern des Bündnisses „Wohnen ist Menschenrecht“, das den Verkauf von fast 10.000 Wohnungen an Immobilienspekulanten verhinderte – ein Erfolg, von dem tausende Mieterinnen und Mieter in Freiburg bis heute profitieren und der weit über die Stadtgrenzen hinaus Wirkung entfaltete. Ebenso engagiert war er im Bündnis Freiburg gegen Rechts und in der VVN-BdA. Er vertrat den Freiburger DGB im Kuratorium für das Dokumentationszentrum zur NS-Geschichte und konnte dessen Eröffnung vor zwei Jahren noch miterleben.
Seine größte Sorge galt dem Frieden. Er glaubte nicht an die täglich verbreiteten Erzählungen von einer Bedrohung durch Russland oder China – Glauben war ohnehin nicht seine Sache als Naturwissenschaftler und Marxist. Stattdessen stellte er die Fragen, die ihm wichtig waren: Wem nützt es? Wessen Interessen werden wie durchgesetzt? Wie lässt sich erfolgreich Gegenwehr organisieren? Er wollte nicht, dass seine Enkel oder andere junge Menschen ihr Leben auf Schlachtfeldern lassen für die Interessen einer kleinen Schicht von Multimillionären und Milliardären.
Bernd Wagner war überall dort, wo er gebraucht wurde – sichtbar bei Aktionen und Demonstrationen, aber auch in zähen Sitzungen hinter verschlossenen Türen. Wir werden seine Klugheit, seine Geduld und seine Beharrlichkeit vermissen.
Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Uta und der ganzen Familie.
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