Überzeugend und unbeugsam.

Bildnachweis: Walter Vielhauer, 1948 (Fotograf unbekannt/Stadtarchiv Heilbronn)
von Dieter Keller
Im Oktober letzten Jahres benannte der DGB Heilbronn den großen Saal im Heilbronner Gewerkschaftshaus nach Walter Vielhauer. Er ehrte damit den weit über Heilbronn hinaus bekannten Widerstandskämpfer, Antifaschisten, Gewerkschafter und Kommunisten.
Zum Gedenken an seinen 40. Todestag am 19. April 2026 lud der Freundeskreis Walter Vielhauer, die VVN-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten und die Partei DIE LINKE Heilbronn an dessen Grab ein. Ca. 50 Menschen nahmen daran teil. Darunter der Heilbronner OB Harry Mergel (SPD), der ehemalige Vorsitzende der IG Metall Klaus Zwickel sowie der ehemalige Landesvorsitzende der DKP, Dieter Keller.
Die Gedenkrede hielt Konrad Wanner vom Freundeskreis Walter Vielhauer. Musikalisch umrahmt von Silke Ortwein. Sie vertrat die Kulturgruppe die MARBACHER, die seit über 50 Jahren mit ihren Liedern die Kämpfe der Arbeiter, Friedens und antifaschistischen Bewegung nicht nur begleiten, sondern inspirierend unterstützen. Silke Ortwein eröffnete das Gedenken mit dem Hans Gasparitsch Lied: Mensch sein und bleiben.
Konrad Wanner würdigte in seiner Rede das Leben und Wirken von Walter Vielhauer, der mit 21 Jahren in die KPD eintrat. „Im März 1933 gehörte er zur ersten Gruppe von etwa 60 Kommunisten, die in Heilbronn verhaftet wurden.“ Fast 12 Jahre war Walter Vielhauer während der faschistischen Herrschaft eingesperrt. Zeitweise in Einzelhaft (Zuchthaus Ludwigsburg), dann in den württembergischen KZs Heuberg, Oberer Kuhberg und Welzheim. 1939 kam er ins KZ Dachau. Seine schlimmste Zeit erlebte er in den 6 Monaten im KZ Mauthausen, „weil dort die kriminellen Strukturen in der Häftlingsverwaltung die Solidarität unter den Häftlingen verhinderte.“
Walter kommt von dort wieder nach Dachau und „wird im Sommer 1944 zusammen mit anderen Widerstandskämpfern zum Tode verurteilt. Die SS will die Todesurteile aber aus Angst vor Unruhen dort nicht vollziehen. Sechs Antifaschisten werden nach Buchenwald verlegt. Als sie dort ankommen. … wird Walter Kapo der Effektenkammer, in der das jüdische Kind, Stefan Zweig vor der SS versteckt wird.“ Walter hat einen wichtigen Beitrag bei der Betreuung und der Rettung des jüdischen Kindes geleistet. „Zeit seines Lebens hat er nie über seinen Anteil an der Rettung des jüdischen Kindes gesprochen. Erst an seinem Grab hat Emil Carlebach Walters persönlichen Verdienst daran geschildert.“
Am 11. April 1945 gelang den Häftlingen die Selbstbefreiung von Buchenwald. Mit dabei Walter Vielhauer. Konrad Wanner über die Haltung von Walter Vielhauer. In der ganzen Zeit ist es „der SS und den Nazis nicht gelungen, auch nicht mit körperlicher Gewalt und Folter, den Gewerkschafter und Kommunisten zu brechen. Wir können es uns nicht im Geringsten vorstellen, was dieser jahrelange Kampf bedeutet hat“. Und dann weiter: „Wenn heute wieder versucht wird, das Engagement gerade der kommunistischen Widerstandskämpfer erneut zu verunglimpfen, so ist das der Versuch die antifaschistischen Kräfte zu spalten.“
Doch wie ging es weiter? Unmittelbar nach seiner Befreiung kam Walter zurück nach Heilbronn. Er „engagierte sich beim Wiederaufbau der Gewerkschaften und wird Mitbegründer der ÖTV. Die amerikanische Militärverwaltung setzte ihn als Bürgermeister für Wohnungswirtschaft, Arbeitsverwaltung und soziale Angelegenheiten ein. … Die alten Machtverhältnisse werden wieder hergestellt.“ Walter Vielhauer wird für die KPD in den Heilbronner Gemeinderat gewählt. Der Antikommunismus unter Bundeskanzler Adenauer wird verstärkt. Die KPD wird verboten. 1958 wird Walter wegen des KPD-Verbots aus dem Gemeinderat ausgeschlossen. In den folgenden Jahren widmet sich Walter „mit ganzer Kraft dem Kampf für Frieden und gegen Hochrüstung, tritt immer wieder bei Aktionen gegen alte und neue Nazis auf. 1968 war er Mitbegründer der DKP und für diese bis zu seinem Tod aktiv.“ Walter suchte stets das Gespräch und das gemeinsame Vorgehen mit Bündnispartnern. Er trat immer für Frieden, Solidarität und Menschlichkeit ein. Dafür kämpfte er überzeugend, leidenschaftlich und unbeugsam. Er war nicht nur eine anerkannte kommunistische Persönlichkeit in Heilbronn, sondern auch weit darüber hinaus. Der Autor dieses Berichts lernte Walter in der Gründungszeit der SDAJ kennen. Seit dieser Zeit war Walter für ihn ein väterlicher Freund, Berater und Vorbild.
Bis in die letzten Monate seines Lebens beteiligte sich Walter Vielhauer trotz angeschlagener Gesundheit an den Aktionen der Friedensbewegung wie den Ostemärschen, der Menschenkette von Stuttgart nach Ulm und gegen die Stationierung der amerikanischen atomaren Mittelstreckenraketen und deren Vernichtung. Deren Verschrottung konnte er selbst nicht mehr erleben. Aber er hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet.
Zu der gegenwärtigen außerordentlich zugespitzten Situation von Militarisierung, Aufrüstung, Kriegsvorbereitung und Krieg sagte Konrad Wanner. Diese sei „eng mit der Zurückdrängung demokratischer Rechte, mit massivem Sozialabbau und dem Erstarken rechtsextremer und faschistischer Gruppen und Parteien verbunden. Der Kampf gegen die AfD, gegen Sozialabbau und der Kampf gegen Hochrüstung gehören zusammen.“
Am Ende seiner Rede konnte Konrad Wanner mit Freude auf einen Erfolg verweisen. Über viele Jahre wurde immer wieder gefordert „eine Straße in Heilbronn nach Walter Vielhauer zu benennen.“ Nun gibt es „im Gemeinderat eine Vorlage zur Umbenennung von Straßen in Heilbronn. Straßennamen von Menschen, die in der NS-Zeit mit den Nazis kollaboriert haben, sollen durch Namen von Menschen ersetzt werden … die sich gegen die faschistische Diktatur engagiert haben oder verfolgt wurden. Einer dieser Namen ist Walter Vielhauer.“ Darüber hinaus wird vor seinem langjährigen Wohnhaus am 22. Mai ein Stolperstein verlegt.
Dazu passend zum Abschluss des Gedenkens das Walter Vielhauer Lied der MARBACHER. Sehr einfühlsam gesungen von Silke Ortwein. Die Botschaft dieses Liedes: Walter Vielhauer hat sich bis zuletzt für Menschlichkeit und Frieden eingesetzt. „Schade, dass in dieser Stadt noch keine Straße seinen Namen hat“ Doch das wird sich nach der Ankündigung von Konrad Wanner hoffentlich zeitnah ändern. Der gemeinsame Kampf hat sich gelohnt.
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